Die Autorin
Lizzy Gruber, geboren in Wien.
Ich absolvierte die Handelsakademie, um anschließend im Verlagswesen als Mitarbeiterin der Verlagsleitung zu wirken.
Ein Wechsel zu einer Werbeagentur, in der ich drei Jahre tätig war, ergänzte meine Berufserfahrungen mit sehr kreativen Aspekten.
Die nächste berufliche Herausforderung bestand darin, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für einen Förderungsfonds zu betreuen und damit in die spannende Welt der Forschung einzutauchen. Diesem Bereich bin ich bis heute treu geblieben.
Schreibe mir ein e-mail: lizzygruber@hotmail.com
Diagnose Leukämie, und das mit 38 Jahren.
Ich fühlte mich herabgebremst auf Null und suchte viele Wege, um mein Schicksal zu verarbeiten.
Es gibt viele, sehr gute therapeutische Ansätze. Einer davon war für mich, darin zu finden, eben ein Buch zu schreiben. Ein Buch, das sich jedoch weitestgehend auf eine positive Art und Weise mit der Krankheit und vor allem den Begleitumständen auseinandersetzt.
Ich stelle keinen Anspruch auf einen medizinischen Ratgeber. Das war nie die Idee zu diesem Buch. Es soll vielmehr ein Rückblick auf einen Abschnitt aus meinem Leben sein und eventuell anderen Betroffenen Rat, Trost und etwas Stoff für ein Lächeln bieten. Es beschreibt meinen Weg, den ich beschreiten musste.
Nun bin ich wieder die Alte, wie man sie kennt.
Nur eben doch anders. Mehr im Jetzt.
Chemotherapie verbindet jeder automatisch mit Kahlköpfigkeit.
Es traf mich wie der Blitz: O mein Gott, die Haare werden mir ausgehen! Das war auch so, ganz klar. Überhaupt musste ich nach bereits einer Woche im Spital feststellen, dass es ungeheuer unpraktisch ist, wenn man lange Haare hat und genau weiß, dass man wochenlang im Spital verbringen wird. Gut, dachte ich mir, organisiere eine Frisörin und ab damit.
Zwei Tage später stand sie in der Tür, stapfte mit ihrem typischen, laut scheppernden Frisörinnen-Rollwagerl in mein Zimmer und musterte mich. Noch bevor ich sie begrüßte, starrte ich auf ihren Kurzhaarschnitt. So, als hätten mir meine Eltern nie beigebracht, dass man jemanden so nicht anstarrt.
Wir benötigten keine Worte, wir benötigten kein Kommunikationsseminar. Sie musste mir erst gar nicht die Frage stellen, wie ich mir den neuen Schnitt denn vorgestellt hätte. Uns beiden war in der Sekunde klar, dass ihr Haarschnitt die perfekte Vorlage war. Und schon schnippelte sie herum und der Berg an Haaren rund um mich herum wurde immer größer und größer. Es kam keine Traurigkeit auf. Nein. Es stellte sich eine enorme Erleichterung ein und ich war ein wenig stolz auf meine Entscheidungskraft.
Die ersten Tage sah ich allerdings eher aus wie ein Stachelschwein in größter zorniger Erregung vor einem Tierarzt im Zoo. Meine Haare waren ob der jahrelang getrimmten Langhaarfrisur auf einmal so widerspenstig, dass ich sie nicht zu beherrschen vermochte. Sie standen kreuz und quer und kein Forschungslabor dieser Welt hätte ein Gegenmittel entwickeln können. Darauf würde ich heute noch wetten.
Erst nach rund einer Woche beruhigten sich die Haarwurzeln und die Haare legten sich wieder halbwegs vernünftig an meinen Kopf an.
Die nächste Phase ließ nicht lange auf sich warten. Die Chemotherapie wirkte ja auf meinen Körper ein und damit nahm auch der Haarausfall seinen Lauf. Schon etwas ekelhaft, kann ich nur sagen. Man hat die Haare plötzlich überall. Ich kann darüber sogar ein Ranking erstellen. Am massivsten fanden sich meine Haare auf dem Kopfpolster, dicht gefolgt vom Kragen meiner Bluse oder meines Schlafmantels. Weiters in der Waschmuschel und in der Dusche, sodass ich riskieren musste, das komplette Abwasserrohrsystem der Krankenhausanlagen lahm zu legen. Ich bekam fast einen Verfolgungswahn. Überall fand ich ein Haar und noch ein Haar. Beim Haarewaschen griff ich praktisch ins Leere. Ich fand keinen Halt an den eigenen Haaren. Ich bildete mir sogar ein, dass mir Haare in mein Essen rieselten. Spätestens jetzt befand ich mich in Phase zwei . . .
Die Autorin schenkt die Bücher an Interessierte.
Mail an: lizzygruber@hotmail.com