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Die Begleiterscheinungen

Im Zuge der Diagnose Krebs und der damit verbundenen Behandlung können eine Reihe von Begleiterscheinungen auftreten. Auf der körperlichen und seelischen Ebene gibt es Veränderungen, die individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können:


Psychische Begleiterscheinungen

Oft kommt es im Laufe einer Krebserkrankung zu einem „Wechselbad“ der Gefühle. Manche Tage sind von Verzweiflung und Mutlosigkeit bestimmt, andere Momente sind von Euphorie und Hoffnung geprägt.
Das ist ganz normal. Sollten die Schwankungen zu heftig werden, denken Sie daran einen Psychologen oder ein Beratungszentrum aufzusuchen. Gespräche können helfen!

Niedergeschlagenheit ist oft die Folge von schlechten Nachrichten im Laufe der Erkrankung. Wenn sich das Blutbild wieder verschlechtert hat, oder die Therapie nicht so anschlägt, wie erhofft, wenn die Tumormarker steigen etc., dann sinkt die Hoffnung.
Oft sind Patienten auch „wenn alles vorbei ist“ niedergeschlagen und nicht - so wie es das Umfeld erwartet - glücklich und zufrieden. Die Anstrengungen der letzten Monate haben die Patienten sehr mitgenommen und es wird noch eine Zeit dauern bis wirkliche Erholung eintritt.

Viele Patienten reagieren irgendwann im Laufe der Erkrankung mit Angst. Angst ist eine völlig normale Reaktion auf ein außergewöhnliches Ereignis. Angst vor der nächsten Chemotherapie, Angst vor der Operation, Angst vor einem Rezidiv (Wiederauftreten), Angst davor den Beruf zu verlieren, Angst vor dem Tod.
    Die Angst kann aber auch in Panik umschlagen. Dann ist es Zeit, professionelle Hilfe  aufzusuchen.

Als Panikattacke wird das plötzliche, völlig unerwartete Auftreten einer körperlichen und seelischen Alarmreaktion bezeichnet. Dieser Zustand dauert meist nur einige Minuten an. Eine Panikattacke ist völlig unkontrollierbar.
Typische Symptome sind: Atemnot, Engegefühl im Hals und in der Brust, Hyperventilation, Schweißausbrüche, Zittern, Angstgedanken (z.B. ich werde sterben).

Quälende Gedanken kommen häufig kurz vor dem Einschlafen, wenn es dunkel und ruhig geworden ist. Heftiges Gedankenkreisen verhindert dann oft den wichtigen und  wohltuenden Schlaf.
Auch Durchschlafstörungen und frühzeitiges Erwachen können sehr unangenehm werden.
Sollten Entspannungsübungen wie z.B. Autogenes Training oder Atemübungen nicht mehr helfen, können pflanzliche Mittel oder eine leichte Schlafmedikation hilfreich sein.

Eine lange, oft aufwendige und schmerzhafte Therapie erfordert von Krebspatienten viel Durchhaltevermögen und Geduld.
Es ist natürlich im Laufe einer langen Behandlungszeit nicht immer möglich, ruhig und geduldig zu bleiben. Vor allem bei schlechten Nachrichten kann leicht Wut entstehen. Wut auf den Arzt, der die schlechte Nachricht überbringt, Wut auf die nächsten Angehörigen, Wut auf gesunde Menschen, Wut auf den Krebs etc.

  • Depression:

Viele Krebspatienten fallen irgendwann im Laufe der Erkrankung und Therapie in eine reaktive Depression (Depression als unmittelbare Folge der Erkrankung). Typische Symptome sind Antriebs-, Mut- und Lustlosigkeit, Ein- und/oder Durchschlafstörungen, vegetative Begleiterscheinungen, Konzentrationsstörungen.
Eine Depression hat nichts mit Faulheit, oder "sich - gehen - lassen" zu tun. Eine Depression ist  eine ernstzunehmende Erkrankung, die gut behandelbar ist.

  • Konzentrationsstörungen:

Wenn der Kopf „zu voll“ ist, kommt es zu Konzentrationsstörungen.
Zu viele Gedanken kreisen ständig um die Erkrankung, die Therapie und den weiteren Behandlungsablauf. Angst und Unsicherheit prägen den Alltag.
Die „Systeme“ Körper und Seele sind völlig überlastet und überfordert. Der Patient steht unter Strom. Es kommt sozusagen zum „Sicherungsausfall". Entspannungsübungen können hier sehr hilfreich sein, den Kopf wieder frei zu bekommen.

  • Selbstwertverlust:

Krebs ist eine Erkrankung, die nicht durch die Operation des bösartigen Tumors abgeschlossen ist. Patienten sind oft monatelang körperlich und seelisch beeinträchtigt.
Tätigkeiten, die vor der Erkrankung leicht von der Hand gingen, sind nun möglicherweise sehr mühevoll geworden. Patienten sind schnell erschöpft und müssen viel liegen und sich ausrasten.
Selbstwert und Selbstbewusstsein haben viel mit Anerkennung zu tun. Anerkennung von der Familie und von Arbeitskollegen fehlen nun möglicherweise. Bestätigung und positives Feedback sind selten geworden. Der Selbstwert sinkt.

  • Isolation:

Krebs löst im gesamten Bekannten- und Freundeskreis unterschiedliche und meist heftige Reaktionen aus. Viele Menschen ziehen sich im Laufe der Erkrankung von den Patienten zurück. Gründe dafür sind z.B. Angst davor, selbst zu erkranken, Hilflosigkeit und Unsicherheit im Umgang mit dem Patienten.
Aber auch die Patienten selbst isolieren sich manchmal von ihrem Umfeld. Sie möchten die anderen nicht belasten, sie fühlen sich, wenn es ihnen schlecht geht, oft nicht in der Lage unter Menschen zu gehen. Ein gutes Mittelmaß zwischen den Extremen „ich mache alles genauso wie früher“ und „niemand kann mir helfen, ich muss das sowieso alleine durchstehen“ zu finden, ist hilfreich.

Bei all den angeführten seelischen Begleiterscheinungen kann es sinnvoll sein, Hilfe aufzusuchen und sich Unterstützung zu holen.

Im Beratungszentrum der Österreichischen Krebshilfe Wien stehen Ihnen erfahrene Psychoonkologinnen für Ihre Anliegen zur Verfügung. Scheuen Sie sich nicht zu kommen und lassen Sie sich in dieser schwierigen Situation gut unterstützen.

Körperliche Begleiterscheinungen

  • Schmerzen:

Schmerzen gehören zu den meist gefürchteten Symptomen bei Krebs, obwohl sie weitgehend mittels Schmerztherapien gelindert bzw. gänzlich vermieden werden können.
Krebs wird meistens automatisch mit Schmerzen assoziiert.
Dabei ist diese Angst oft unbegründet, da nicht jeder Krebspatient unter Schmerzen leidet. Es gibt Untersuchungen, wonach bis zu 40% der Krebspatienten während ihrer Krankheit schmerzfrei bleiben!

Eigentlich gibt es gar keinen spezifischen oder charakteristischen Krebsschmerz, dieser kann vielmehr völlig unterschiedlich in Entstehung, Ursache und Auswirkung sein.

Ursachen der Schmerzen:

  • In den meisten Fällen (60 - 90%) sind Schmerzen auf den Primärtumor oder Metastasen zurückzuführen (z.B. Knochen- und Nervenschmerzen, Haut und Muskulatur, innere Organe).
  • Oft (10 - 25%) sind die Schmerzen therapiebedingt (Operationen, Chemo-, Strahlentherapie).
  • Seltener (5 - 20%) sind Begleiterscheinungen im Rahmen der Tumorerkrankung Auslöser für Schmerzen (z.B. Gürtelrose).

Es ist zu unterscheiden zwischen akuten (z.B. postoperativen) und chronischen Schmerzen.
Bei chronischen Schmerzen fühlt sich der/die PatientIn erschöpft, neigt zu Schlafstörungen, Angstgefühlen und Niedergeschlagenheit.
Tatsache ist, dass heute kein Patient mehr dank der wirksamen schmerztherapeutischen Behandlungsmethoden unter Schmerzen leiden muss.
Schmerzen sind mittlerweile zu einem eigenen Krankheitsbild avanciert und dementsprechend fortgeschritten sind die therapeutischen Methoden. Es gibt eigens auf Schmerztherapie spezialisierte Fachärzte und Schmerzambulanzen, die fast allen TumorpatientInnen zu einer erheblichen Linderung ihrer Schmerzen verhelfen bzw. sie gänzlich schmerzfrei stellen.
In den meisten Fällen werden Schmerzmittel wie Paracetamol oder Morphine in Medikamentenform verabreicht (Tabletten, Zäpfchen, Pflaster, Tropfen). Darüber hinaus gibt es auch alternative Schmerzbehandlungsformen (Akupunktur, Entspannungstherapien, pflanzliche Substanzen).

Oft glauben KrebspatientInnen, dass neu aufgetretene Schmerzen nur vorübergehend sind und möchten diese lieber aushalten, als schmerzstillende Medikamente einzunehmen. Auch die Angst von Abhängigkeit (Sucht) oder Nebenwirkungen bei Einnahme starker Medikamente (z.B. Morphium) läßt viele PatientInnen zögern. Bei einer individuell und optimal angewandten Schmerztherapie sind diese Befürchtungen jedoch unbegründet.
Unbehandelter Schmerz ist ein Stressfaktor für Körper und Seele und verzögert den Heilungsprozess.

Daher ist das oberste Ziel in der Krebstherapie die Schmerzfreiheit eines Patienten, denn nur so findet der Körper Ruhe.

  • Fatigue - Erschöpfung:

Bezeichnet den absoluten Erschöpfungszustand bei KrebspatientInnen. Anders als bei üblicher Müdigkeit, kann Fatigue nicht durch ausreichenden Schlaf überwunden werden.
Tumormüdigkeit oder Fatigue gehört zu den häufigsten Beschwerden von KrebspatientInnen. Nahezu alle Krebskranken leiden daran. Am stärksten treten Fatigue-Symptome während der Behandlung auf.

Typische Merkmale von Fatigue:

  • Extreme Müdigkeit bereits nach einfachen Aktivitäten (Gehen, Sprechen oder Entscheidungen treffen, können zu beinahe unüberwindlichen Hürden werden),
  • allgemeine Schwäche und/oder Schweregefühl in den Gliedern,
  • Mühe beim Erledigen alltäglicher Arbeiten,
  • Konzentrationsschwäche,
  • Vergesslichkeit,
  • schlechte Motivation und Lustlosigkeit,
  • Gefühle von Frustration, Traurigkeit und/oder Reizbarkeit.

Fatigue tritt häufig als Nebenwirkung von Chemo- und Strahlentherapie auf.

Fatigue beeinträchtigt in erster Linie das körperliche und emotionale Wohlbefinden, die Arbeitsfähigkeit sowie das Sexualverhalten.
Fatigue ist eine quälende Form der Müdigkeit, die bis zur vollkommenen Erschöpfung führen kann. Sie ist viel stärker als "normale" Müdigkeit und kann auch durch ausreichenden Schlaf nicht überwunden werden. Schwäche, Energieverlust und totale Erschöpfung begleiten die Krankheit.
Eine der wesentlichen Ursachen von Fatigue ist die Blutarmut, d.h. ein Zustand, in dem es dem Körper an roten Blutkörperchen fehlt.

Maßnahmen gegen Fatigue:

  • Viel Ruhe und genügend Schlaf,
  • Gesunde Ernährung (Eisen, Vitamine),
  • Ablenkung und Unterhaltung,
  • Hilfe in Anspruch nehmen (lassen Sie sich möglichst viele Aufgaben abnehmen),
  • Psychologische Hilfe,
  • Medikamentöse Maßnahmen (EPO, Erythrozyten-Transfusion, Antidepressiva, Neuroleptika, Antiemetika).

Broschüre der Österr. Krebshilfe: "Fatigue: Erschöpfungssyndrom bei Krebs."

  • Haarausfall:

Haarausfall ist leider eine häufige Begleiterscheinung von Chemotherapien. Oft verlieren die Betroffenen sämtliche Haare am Körper, nicht nur die Kopfhaare. Nach Beendigung der Therapie wachsen die Haare aber wieder nach.

  • Gewichtsverlust:

Im Zuge einer Krebserkrankung wird der Stoffwechsel des Körpers derart verändert, dass es zum rapiden Gewichtsverlust kommt. Appetitlosigkeit, frühes Sättigungsgefühl, Blutarmut, Wassereinlagerungen (Ödem), Störung der Elektrolyte kennzeichnen diesen Gewichtsverlust, der mit einem massiven Verlust an Lebensqualität einhergeht.

  • Infektionen/Fieber:

Häufig leiden KrebspatientInnen unter Infektionen, welche die Lebensqualität durch Fieber, Entzündungen oder Schmerzen erheblich beeinträchtigen können. Sie können mit Schüttelfrost, Husten, Brennen beim Urinieren, Rötungen und geschwollenen Körperteilen einhergehen. In jedem Fall ist sofort der Arzt zu informieren.

  • Mundtrockenheit:

Neben vermehrter Flüssigkeitsaufnahme und angepasstem Essen (weiche, feuchte Nahrung wie Cremes, Gerichte mit Soßen und Geschmortes) gibt es auch Medikamente, die die Speichelproduktion anregen.

  • Lymphödem:

Wurden Lymphknoten unter der Achsel oder in der Leistengegend entfernt, kann sich Flüssigkeit in dem betroffenen Bereich anstauen. Solchermaßen betroffene Gliedmaßen sind anfälliger für Infektionen. Rötung, Wärme, rote Streifen, entzündete Bereiche, taubes Gefühl, Schmerzen sind Anzeichen für eine solcherart hervorgerufene Infektion.

  • Übelkeit und Erbrechen:

Sind oft Begleiterscheinungen einer Chemotherapie, können aber medikamentös aufgefangen werden können.

  • Pleuraerguss:

Entsteht, wenn sich Flüssigkeit um die Lungen ansammelt und tritt häufig bei KrebspatientInnen auf. Schmerzen, Atemnot, trockener Husten und Lungeninfektionen können auftreten, wenn die Flüssigkeitsmenge zunimmt bzw. nicht behandelt wird.

  • Harnblasenbeschwerden:

Harnblasenprobleme (vermehrter Harndrang) können infolge von Chemotherapie-behandlungen oder Harnblasenkathetern entstehen.

  • Blutungen:

Durch die meist langsamere Blutgerinnung bei KrebspatientInnen können Blutungen problematisch sein. Blut im Urin, Stuhl oder Erbrochenem aber auch Blut beim Husten sind unbedingt dem Arzt zu melden.

  • Entzündung der Schleimhäute
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall/Verstopfung

 

 

Umgang mit verändertem Aussehen

Patientenbefragungen ergaben, dass – neben der Angst um die Gesundheit, das Leben, die Existenz, die Kinder und die Familie – das „veränderte Aussehen“ für viele Patientinnen eine große Belastung darstellt. Eine Belastung, die sich in dem Verlust des Selbstwertgefühls manifestieren und dadurch zu Isolation, Einsamkeit bis hin zu Jobverlust führen kann. Deshalb startet die Krebshilfe im Rahmen der diesjährigen Pink Ribbon-Aktion eine neue Initiative, die Patientinnen helfen soll, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihnen vor Augen halten soll, wie einzigartig und schön sie trotz der Erkrankung sind und sich keine Frau „verstecken“ muss. In kostenlosen Workshops lernen Patientinnen, wie man die „Spuren“ der Erkrankung und der Therapien kaschieren kann, Krebshilfe-Beraterinnen stehen für alle Fragen und Anliegen zur Verfügung und am Ende des Workshops erhalten die Teilnehmerinnen ein professionelles Portraitfoto.

Diese neue Initiative ist ein Gemeinschaftsprojekt der Österreichischen Krebshilfe, Estée Lauder Cosmetics und der renommierten Künstlerin und Fotografin Sabine Hauswirth. Sie war es auch, die der Initiative den Namen „Face it with a Smile“ gegeben hat und die Schirmherrschaft für das Fotoprojekt für ganz Österreich übernimmt. Die „Face it with a Smile“ Workshops starten am 25.9.2018 mit 45 Patientinnen – Danke an Lilly Oncology für die Unterstützung. Ab 2019 wird es regelmäßig in jedem Bundesland Workshops geben, die von den Krebshilfe-Landesvereinen organisiert werden. Mehr dazu bei der Krebshilfe in Ihrem Bundesland oder auf Facebook unter Face it with a Smile.