World Cancer Day 2026
Ein Gespräch mit Martin Bohonnek, Geschäftsführer der Krebshilfe Wien

„Gemeinsam einzigartig“ lautet das Motto des diesjährigen World Cancer Day. Was bedeutet dieser Leitsatz für die Arbeit der Krebshilfe Wien?
„Gemeinsam einzigartig – United by Unique“ bringt sehr gut auf den Punkt, was moderne Krebsbegleitung leisten muss. Jede Krebserkrankung verläuft anders, jeder Mensch bringt seine eigene Lebensgeschichte, seine Sorgen, Ressourcen und Fragen mit. Gleichzeitig zeigt das Motto: Niemand muss diesen Weg allein gehen. Gemeinsam – im Austausch, in der Unterstützung und in der Zusammenarbeit – können wir viel bewirken.
Warum braucht es neben der medizinischen Behandlung noch weitere Unterstützung?
Die onkologische Behandlung im Krankenhaus ist selbstverständlich zentral und unverzichtbar. Aber Krebs betrifft nicht nur den Körper. Er wirkt sich auf die Psyche, das soziale Umfeld, das Berufsleben und den Alltag aus. Viele Betroffene fühlen sich nach der Diagnose orientierungslos oder allein gelassen. Genau hier braucht es ergänzende Angebote: psychologische Begleitung, Beratung zu Arbeit und Existenzsicherung, medizinische und komplementärmedizinische Beratung sowie Räume für Austausch mit anderen Betroffenen. Krebs ganzheitlich zu behandeln heißt, den Menschen in seiner Gesamtheit ernst zu nehmen.
Das diesjährige Motto spricht auch vom gemeinsamen Handeln. Wie versteht die Krebshilfe Wien diesen Auftrag?
Ein zentrales Leitmotiv lautet: „Veränderung ist möglich, wenn wir gemeinsam handeln.“ Für uns heißt das, Hand in Hand mit dem Gesundheitswesen zu arbeiten. Wir verstehen uns nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur medizinischen Versorgung. Unsere Angebote bauen dort an, wo Krankenhausstrukturen an ihre Grenzen stoßen – zeitlich, organisatorisch oder inhaltlich. Nur durch Zusammenarbeit entsteht ein Netzwerk, das Betroffene wirklich trägt.
Wie funktioniert diese Zusammenarbeit mit dem Gesundheitswesen bereits heute?
Schon jetzt gibt es vielfältige Formen der Kooperation: mit Spitälern, Ambulanzen, Ärztinnen und Ärzten, Therapeut und Partnerorganisationen. Betroffene werden gezielt an uns weiterverwiesen, wir tauschen uns fachlich aus und stimmen Angebote aufeinander ab. Besonders wichtig ist dabei gegenseitiges Vertrauen und das gemeinsame Ziel, Menschen bestmöglich zu unterstützen – medizinisch wie psychosozial.
Wo sehen Sie Potenzial für eine noch bessere Zusammenarbeit in Zukunft?
Ich wünsche mir, dass psychosoziale und begleitende Angebote noch stärker als selbstverständlicher Teil der Krebsversorgung verstanden werden. Idealerweise werden Betroffene von Beginn an ganzheitlich begleitet – medizinisch, psychologisch und sozial. Das erfordert klare Schnittstellen, gute Information und ein gemeinsames Verständnis aller Beteiligten. Je früher Unterstützung greift, desto besser können Menschen mit der Erkrankung umgehen.
Ein weiterer Slogan lautet: „Gemeinsam können wir den Verlauf von Krebs verändern.“ Wie ist das zu verstehen?
Dieser Satz steht für unsere Überzeugung, dass Menschen mit Krebs nicht machtlos sind. Natürlich können wir die Krankheit nicht einfach kontrollieren – aber wir können den Umgang damit beeinflussen. Mit Hilfe zur Selbsthilfe, mit Wissen, Austausch, Bewegung, Kreativität und psychologischer Unterstützung kommen Betroffene wieder ins eigene Handeln. Das verändert nicht nur den Alltag, sondern oft auch die innere Haltung zur Erkrankung. Und das ist enorm wertvoll.
Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern mitgeben?
Nutzen Sie die Angebote, die es gibt. Informieren Sie sich, kommen Sie in Austausch, nehmen Sie Unterstützung an. Krebs ist individuell – aber gemeinsam sind wir stärker. Genau dafür steht die Krebshilfe Wien.



Die Sujets der weltweiten Awareness-Kampagne der “Union for International Cancer Control“ (UICC) in enger Zusammenarbeit mit der WHO – Welthandelsorganisation
Mehr dazu unter: www.worldcancerday.org
